Informationen zum Übergang Schule-Beruf in Pandemiezeiten

Einige Jugendstudien berichten über hohe Verunsicherungen bei Jugendlichen, insbesondere bei denjenigen, die sich im Übergang von der allgemeinbildenden Schule in den Beruf befinden. Aktuelle Zahlen zu diesen Auswirkungen können noch nicht aus der bisher vorliegenden Schulstatistik abgelesen werden. Die Ausbildungsmarktstatistik zeigt aber deutlich, dass junge Menschen in Pandemiezeiten die Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit weniger in Anspruch genommen haben. Die pandemiebedingten vorübergehenden Schließungen der Behörden haben sicher auch dazu beigetragen. Einige ausgewählte aktuelle Fakten zur Ausbildungseinmündung in Pandemiezeiten zeigen einen veränderten Ausbildungsmarkt, eine Erholung nach der Pandemie erscheint fraglich.

Vorbemerkung

Zwei Quellen bieten die Grundlage für Aussagen über das Übergangsgeschehen von der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Ausbildung: das ist die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) sowie die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit und der Kammern (Erhebung zum 30.09.). Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich für 2021 mit aktuellen Zahlen nur Aussagen auf der Grundlage der Ausbildungsmarktstatistik (Stand 30.09.21) machen, da die Berufsbildungsstatistik noch nicht ausgewertet ist.

Aussagen über alle Ausbildungseinmündungen können zurzeit noch nicht zum Ausbildungsjahr 2021/2022 gemacht werden. Zur Verdeutlichung: in 2020 wurden neben den 465.700 bei den Kammern neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen 193.500 Neubeginne von schulischen Ausbildungsberufen in den Bereichen Gesundheit/Erziehung/Soziales (nach Bundes- und Landesrecht) gezählt und 51.000 Einmündungen in sonstige schulische Berufsausbildungen (Beamten etc.). Die betrieblichen Berufsausbildungen, über die in der Ausbildungsmarktstatistik berichtet wird, machen folglich nur ca. Zweidrittel der neu begründeten Ausbildungsverhältnisse aus.

Besonderheiten in Pandemiezeiten

In Pandemiezeiten gab es insbesondere durch die Einschätzung der Jugendämter (ism-Studie „Wie Jugendämter die Auswirkungen der Corona- Pandemie einschätzen und welchen Handlungsbedarf sie sehen“ Mainz, April 2021) die Erwartung, dass der Anteil der Schüler*innen, die den Anschluss in der Schule verlieren und deshalb ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen würden sich aktuell möglicherweise verdoppeln würde. Dazu liegen uns bisher nur die Zahlen aus 2020 vor. Bis 2020 sank der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss an den Schulabgänger*innen stetig weiter. (2000: 9,6 %, 2009: 6,9 %, 2019: 6,8 %, 2020: 5,9 %) Es bleibt abzuwarten, ob die Pandemie-Auswirkungen in 2021 an der Zahl der Schulabgänger*innen ohne Hauptschulabschluss sichtbar werden. (Auswertung der Schulstatistik wird im Sommer 2022 erwartet)

Mehrere Studien, deren Grundlage die Befragung Jugendlicher darstellt (z. B. die Befragung der BertelsmannStiftung – Barlovic/Ullrich/Wieland, 2021- oder die BA-BiBB-Bewerberbefragung) verweisen auf eine erhebliche emotionale Belastung und Verunsicherung Jugendlicher in diesen Pandemiezeiten. Das hat Auswirkungen auf einen grundsätzlich sehr voraussetzungsvoll gestalteten Übergang von der allgemeinbildenden Schule in den Beruf.

Ausgewählte Daten und Tendenzen der Ausbildungsmarktstatistik 2021 (Bezug: Einmündung in betriebliche Ausbildungsverhältnisse)

  • Nachdem 2020 die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den Betrieben (von 2019 525.039) auf 467.484 gesunken war, konnte 2021 wieder ein leichter Anstieg der Zahl der neuen Ausbildungsverträge erreicht werden (473.064). Im Vergleich zu 2019 sind dennoch mehr als 50.000 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen worden. Zudem ist zu befürchten, dass – ähnlich wie in den Jahren nach der Finanzkrise – diese betrieblichen Ausbildungsplätze langfristig verloren sind.
     
  • Die Anzahl der institutionell registrierten Ausbildungsplatznachfrager*innen ist von 610.032 im Jahr 2019 um fast 65.000 Jugendliche im Jahr 2020 (auf 545.721) gesunken. Diese Tendenz setzte sich leicht auch in 2021 fort. Hier waren es 540.882. Seit 2019 haben sich folglich knapp 70.000 junge Menschen weniger um einen betrieblichen Ausbildungsplatz beworben. Diese Zahl lässt sich weder durch die demographische Entwicklung erklären noch konnte diese Tendenz in 2020 dadurch begründet werden, dass diese jungen Menschen in der allgemeinbildenden Schule verblieben sind.
     
  • Der Anteil der Bewerber*innen, die sich erfolglos um eine Ausbildungsstelle bemühen, betrug 2019 12,2 %, 2020 14,3 % und 2021 12,3 % aller registrierten Bewerber*innen. Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen lag 2019 unter 10%, stieg 2020 auf 11,7 % und 2021 auf 12,2 % aller gemeldeten Ausbildungsstellen. Beide Entwicklungen zusammen betrachtet verweisen auf das zunehmende Problem der mangelnden Passung. Die Zahlen sind durchschnittliche bundesweite Zahlen, erhebliche regionale und branchenspezifische Unterschiede müssen hier Beachtung finden.

Neben den pandemiebedingten Auswirkungen auf dem Ausbildungsmarkt muss auch Sorge bereiten, dass jährlich mehr als 80 000 Ratsuchende Bewerber*innen im Laufe des Beratungsprozesses den Kontakt zur Berufsberatung der Arbeitsagenturen abbrechen und die Bundesagentur für Arbeit über ihren Verbleib keine Informationen hat.

Fachinfo des Paritätischen Gesamtverbandes vom 24. Januar 2022